St. Andreasberg

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St. Andreasberg
1487 - 1624
1648 - 1867
1867 - 1910
1910 bis heute
St. Andreasberg

Sankt Andreasberg liegt zwischen Braunlage im Osten, Herzberg am Harz im Westen, Bad Lauterberg im Süden sowie Clausthal-Zellerfeld und Altenau im Nordwesten im Naturpark Harz am Rand des Nationalparks Harz. Sankt Andreasberg ist „eingeschlossen“ vom gemeindefreien Gebiet Harz. Die Bergstadt befindet sich direkt südlich der an der Jordanshöhe gelegenen Quelle der Sperrlutter (nahe den Glückaufklippen), welche die Stadt unmittelbar westlich passiert und nach Süden der Oder zufließt. In diese mündet beim südöstlichen Stadtteil Oderhaus die Trutenbeek.

In einem südlichen Halbkreis wird das Ortsgebiet vom Galgenberg (594,3 m), Glockenberg (627 m), Matthias-Schmidt-Berg (663 m) sowie dem Beerberg (658,1 m) eingerahmt und erstreckt sich im Norden hinauf zur Jordanshöhe (723 m). In dieser Richtung befinden sich beim etwas entfernten Ortsteil Sonnenberg unter anderem die beiden Sonnenberge (max. 853,4 m) und der Rehberg (893 m). Nahe Oderhaus befindet sich der Schloßkopf (623,5 m).

Aufgrund ihrer topografischen Lage am oberen Ende des langgestreckten Sperrluttertals besteht Annerschbarrich, so der einheimische Name, aus der Unterstadt (500–590 m ü. NN) – Altstadt, Punkt der Stadtgründung – und der Oberstadt (590–720 m). Die Bergstadt ist umgeben von unter Naturschutz stehenden Bergwiesen, Wäldern und Bergen. (Quelle: Wikipedia)

 

 

Das Wappen von St. Andreasberg

Wappen St. AndreasbergBeschreibung: Das 1. Feld (oben rechts) zeigt das rot und silber geschachtelte Wappen der Grafen von Hohnstein in Viererreihung zu drei Stellen. Das 2. Feld (oben links) zeigt den heiligen Andreas im blauen Gewand mit dem schräg gehaltenen goldenen Andreaskreuz auf silbernen Grund. Das 3. Feld (unten rechts) versinnbildlicht mit dem Gezähe des Bergmanns (Schlägel und Eisen) auf silbernen Grund den früheren Haupterwerbszweig der Bergstadt. Das 4. Feld (unten links) ist geteilt, es zeigt im oberen Teil auf rotem Grund einen goldenen Löwen mit blauer Zunge, der die rechte Vorderpranke erhoben hat (zur Erinnerung an die Zeit, als Heinrich dem Löwen das Grafenamt im Harz übertragen war). Im unteren Teil sind drei goldene Balken auf rotem Grund gezeigt (Wappen der Grafschaft Lutterberg-Scharzfeld).

Das älteste bekannte Wappen stammt aus dem Jahr 1588 und befindet sich im Staatsarchiv Hannover. Von 1938 bis 1945, in der „Zeit des Nationalsozialismus“, musste das Abbild St. Andreas′ im Stadtwappen durch eine neutrale Fichte ersetzt werden. Das heutige Wappen wurde am 4. Juni 1951 genehmigt.

 

Chronik 1487 - 1624
1487 Erste urkundliche Erwähnung von "sanct andrews berges". Zwei Gewerke (Bergbaubetriebe) streiten über Grubenfelder. Eine feste Ansiedlung von Bergleuten ist eher unwahrscheinlich.
   
   
1521 Die Hohnsteiner Grafen rufen die erste Bergfreiheit aus. Die Grube Samson wird in Betrieb genommen.
   
   
1527 Zweite erweiterte Bergfreiheit, diese zeigt schnell Wirkung, Bergleute aus dem Erzgebirge siedeln sich in Sankt Andreasberg an.
1528 Aufbau der Bergstadt beginnt. 116 Gruben sind in Betrieb.
   
   
1537 In Sankt Andreasberg stehen 300 Wohnhäuser, ca. 2000 Einwohner leben hier. Richter und Rat nehmen ihre Arbeit auf. Sehr gute Ausbeute.
   
   
1542-1549 Die Bergwerke bringen keine Ausbeute.
   
   
1550-1573 Die Zahl der Gruben nimmt langsam wieder zu, hohe Ausbeute, vor allen Dingen in den Jahren 1566 bis 1572. Andreasberg errichtet um 1550 die Silberhütte, 1629 wird sie abgebrochen.
   
   
1577 Die Pest wütet in der Bergstadt.
   
   
1579 480 Bergleute, ca. 2500 Einwohner. Die Ausbeute sinkt ständig, Armut nimmt zu.
   
   
um 1590 Bau des Sonnenberger Grabens.
1593 Andreasberg erhält eine Hammermünze, sie ist bis 1629 in Betrieb.
   
   
um 1600 Bau des Alten Rehberger Grabens.
1611-1624 Nur noch bis zu 16 Gruben erwirtschaften praktisch keine Ausbeute. Gewerke hoch verschuldet. Bergbau kommt fast vollständig zum Erliegen. 1625 reduziert eine Pestepedemie die Einwohnerzahl um 700 auf ca. 1000.
Chronik 1648 - 1867
1648 Ende des Dreißjährigen Krieges. Im gesamten Oberharz kein planmäßiger Bergbau (Ausnahme: einige Gruben in Clausthal). Es fehlt an Geld und Arbeitskräften. 1653 wird der Ackerbau verboten, um mehr Bergleute zur Verfügung zu haben. Kurzzeitige Wiederaufnahme von zwei Gruben.
   
   
1663 In Andreasberg entsteht ein Unterbergamt, die Silberhütte wird wieder aufgebaut.
   
   
1669-1672 Kein Aufschlagswasser für die Wasserräder, Bergbau ruht.

 

1672 Direktorialprinzip wird eingeführt. Das Bergamt übernimmt die Betriebsführung, Gewerke zahlen nur Zubuße bzw. erhalten Ausbeute.
   
   
1674 Erste Ausbeute seit 60 Jahren. Ausbeutetaler "Andreae montani Ludovici haec munera venae" (Bergleute zu Sankt Andreasberg auf der Grube Ludwig erbringen diese Geschenke der Erzadern) wird geprägt.
   
   
1685 Wassermangel, Betriebsstillstand, keine Ausbeute.
   
   
1687 Alter Rehberger Graben wird wieder hergerichtet.
   
   
1688-1692 Ausbeute steigt wieder an.
   
   
1691-1710 Auffahrung des Grün-Hirschler-Stollens. Er bringt im Samson eine Teufe von 130 m ein.
   
   
1692 Starker Frost, Wassermangel, Betriebsstillstand.
   
   
1693 Grube Samson wird vom Fiskus übernommen.
   
   
1699-1703 Bau des heutigen Rehberger Grabens.

 

 

1700-1730 Zweite Blütezeit des Bergbaus, Silbergewinnung 1000-2000 kg pro Jahr.
   
   
1710 Grube Samson erreicht eine Teufe von 140 m.
   
   
1714-1721 Bau des Oderteiches.

 

 

1716-1754 Auffahrung des Sieberstollens. Im Samson bringt er eine Teufe von 190 m ein, tiefster Wasserlösungsstollen des Reviers.
   
   
1729 461 Berg- und Hüttenleute und 209 Pochknaben arbeiten in Andreasberg.
   
   
ab ca. 1730 Silbergewinnung nimmt ständig ab, Grubengewinnungskosten steigen.
   
   
1739 388 Berg- und Hüttenleute und 158 Pochknaben arbeiten in Andreasberg.
   
   
1740 In der Bergstadt leben 3415 Einwohner.
   
   
1760-1775 Schwere Krise im Oberharzer Bergbau.
   
   
1765 In der Bergstadt leben 2573 Einwohner.
   
   
ab ca. 1775 Technische Verbesserungen reduzieren die Gruben- und Hüttenkosten.
   
   
1777 Goethe fährt am 12. Dezember in die Grube Samson ein. In seinem Tagebuch vermerkt er: "Ward mir sehr sauer diesmal"
   
   
1796 Am 8. Oktober brennen 249 Häuser ab.
   
   
1805-1822 Silbererzeugung fast immer über 2000 kg pro Jahr. 1822 wird mit 3040 kg die höchste Silbergewinnung überhaupt erreicht.
   
   
1833 Oberbergmeister Dörell entwickelt die Fahrkunst.
   
   
1834 Oberbergrat Albert erfindet das Drahtseil.
   
   
1837 Die Drahtseil-Fahrkunst wird in die Grube Samson eingebaut.

 

 

1847 Der Lauterberger Fabrikant Deig errichtet eine Streichholzfabrik in Sankt Andreasberg. Bergrat Bruel und Oberpochsteiger Wimmer wirkten beim Bau der Produktionsstätte maßgeblich mit.
   
   
1848 Unruhen in der Bergstadt. Bergleute sollen in der Deigschen Fabrik arbeiten. Fabrikarbeit galt als unsicher und sozial disqualifizierend.
   
   
1866 Preußen annektiert Hannover. Der Bergbau im Oberharz wird nun rein fiskalisch.
Chronik 1867 - 1910
1867 Nur noch 276 Berg- und Aufbereitungsleute in Andreasberg. Der Samson wird zum Hauptförderschacht.
   
   
1885 141 Mann sind im Grubenfeld "Vereinigte Gruben Samson" tätig. Im inwenwendigen Revier ist nur noch die Grube Samson in Betrieb.
   
   
1889 Maschineller Bohrbetrieb wird eingeführt. Die Roherzförderung kann so mehr als verdoppelt werden.
   
   
1891 Das Kunstrad im Schacht Gnade Gottes und die Wasserkünste werden stillgelegt. Die Wasserhaltung übernimmt ein Körtingscher Wasserstrahl-Elevator.

 

 

1895 und 1899 Seit 1877 wird nur 1895 und 1899 ein Überschuß erwirtschaftet.

 

 

1900 Die beiden Wasserkünste des Samsons werden durch eine elektr. Pumpanlage ersetzt.
   
   
1905-1910 Silbergewinnung immer schlechter, 1905 werden 364 kg und 1909 nur 90 kg gewonnen. Der Silberpreis hat sich seit 1867 mehr als halbiert.
   
   
1910 Am 31.03.1910 fahren die 80 Bergleute zum letzten Mal aus dem Samson aus. Mit Rücksicht auf den restlichen Bergbau im Oberharz muß die Grube Samson aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden.
Chronik 1910 bis heute

Nach Ende des fiskalischen Bergbaus geht die Wasserwirtschaft vom Bergfiskus an den Forstfiskus über. Berginspektor Werner, der letzte Berginspektor in Sankt Andreasberg, schreibt 1912 folgenden Schlußsatz in seine Denkschrift "Die Wasserwirtschaft von St. Andreasberg im Harz":

 

Der Lebensnerv, von dem das Wohl und Wehe der Stadt und ihrer Bewohner abhängt, wird nach allem noch auf viele Jahre hinaus die Kraft sein, welche mit dem Wasser des Oderteiches durch den Rehberger Graben nach St. Andreasberg herangeleitet wird.

 

Weil die Wasserwirtschaft als einziges Erbe des Bergbaus bis heute fortbesteht und die Grube Samson durch diesen Umstand erhalten werden konnte, ist der Schwerpunkt dieser Seite die Wasserwirtschaft.


1912 Auch die Silberhütte wird geschlossen. Die Harzer Werke "Glück Auf" erhalten die fiskalischen Wassergefälle, sie müssen aber in ihrem Betrieb soviele Arbeiter beschäftigen, wie zuletzt in der Hütte tätig waren. Die Wasserkraftwerke "Silberhütte" und "Sieberstollen" nehmen ihren Betrieb auf.

 

 

1920-1930 Die Ilseder Hütte unternimmt Untersuchungsarbeiten in der Grube Roter Bär. Bis zu 42 Bergleute sind hier beschäftigt. Die Erzförderung erfolgt durch den Schacht Samson.
   
   
1922 Das Kraftwerk Grüner Hirsch wird im Samsonschacht installiert. Die Fahrkunst wird seitdem nicht mehr durch das Kunstrad angetrieben.

 

1927 Alle Wasserkraftwerke der Harzer Werke "Glückauf" werden nach dem Tod von Dr. R. Alberti an die Licht- und Kraftwerke Harz verkauft. In Sankt Andreasberg leben ca. 4000 Einwohner. Die wirtschaftliche Situation ist sehr schlecht, man spricht vom "...Notstandgebiet St. Andreasberg..." und von der "...katastrophalen Lage unserer Bergstadt..." und sogar von "...gestorbenem Land...".

 

1931-1943 Der Andreasberger Geschichtsverein betreibt das Bergwerksmuseum Roter Bär.
   
   
1944 Die letzten Wasserkraftwerke der Holz- und Papierindustrie werden stillgelegt.

 

1951 Eröffnung des Bergwerkmuseums Grube Samson.

 

1970 Der Synchrongenerator des Kraftwerks Sieberstollen wird durch einen Asynchrongenerator ersetzt.

 

1980 Kraftwerk Teichtal erhält eine Ossberger-Turbine, der Synchrongenerator wurde schon Jahre zuvor gegen einen Asynchrongenerator ausgewechselt.
   
   
1987 Die Fahrkunst ist seit 150 Jahren in Betrieb. Der amerikanische Ingenieur-Verband "American Society of Mechanical Engineers" setzt die Schachtanlage der Grube Samson 1987 auf die Liste der internationalen historischen Maschinenbau-Denkmäler.
   
   
1991 Der Oderteich und der Rehberger Graben werden seit dem 01.04. nicht mehr durch die Forst sondern von den Harzwasserwerken des Landes Niedersachsen bewirtschaftet.
   
   
1991 Das Kraftwerk Grüner Hirsch erhält einen Asynchrongenerator. Alle Wasserkraftwerke der LKH im Andreasberger Revier verfügen somit über einen wartungsarmen Asynchrongenerator.
   
   
1995 Das Kunstrad der Fahrkunst wird erneuert und nun wieder drehbar gelagert.
   
   
1996 Die Harzwasserwerke des Landes Niedersachsen werden in eine GmbH umgewandelt.

 

1998 Die ehemalige Kunststrecke der Fahrkunst wird wieder freigelegt, um die 17,5 m lange Pleuelstange aufhängen zu können.

 

 

1999 Grube Samson erhält den Preis für Denkmalpflege der niedersächsischen Sparkassenstiftung.
   
   
2001 50 Jahre Bergwerksmuseum Grube Samson. Im Gaipel der Grube Samson wird das Harzer-Roller-Kanarien-Museum eingerichtet.

 

2001 Die Licht- und Kraftwerke Harz fusionieren mit NKW und WKO zur Harz Energie GmbH & Co. KG.
   
   
2001 Seit dem 1. Dezember wird der Rehberger Graben durch ein Andreasberger Privatunternehmen im Auftrag der Harzwasserwerke GmbH betreut.

 

2003 Harz Energie erneuert den Antriebsmotor der Samsoner Fördermaschine nach 91 Betriebsjahren.

 

2003 Der "Rekord-Sommer 2003" hinterläßt auch im Harz seine Spuren. Der Oderteich ist vollkommen entleert. Die Wasserkraftwerke stehen ca. 4 Wochen still.

 

2003 Seit 300 Jahren liefert der Neue Rehberger Graben Aufschlagwasser nach Sankt Andreasberg. Der Graben war der Meilenstein für die Bergstadt hin zum planmäßigen Betrieb des Bergwerkes.

 

2003 Nach vielen Jahren Leerstand konnte nun für das Gebäude der "Treibhütte" im Ortsteil Silberhütte eine neue Verwendung gefunden werden.

 

 

2004 Die Rohre der Samsoner Kraftwerke Grüner Hirsch und Sieberstollen werden nach 92 bzw. 82 Betriebsjahren langsam sehr dünn. Harz Energie erneuert im März 2004 ein Stück der Rohrleitung zum KW Grüner Hirsch direkt unter dem Gaipel.

 

 

2004 Im Herbst 2004 muß der Hilfe-Gottes-Teich vollständig entleert werden, weil das Rohr zur Schieberkammer defekt ist.

 

 

2006 Ende 2006 werden die Stadtwerke St. Andreasberg für 1 Mio. € an die Harz Energie GmbH & Co. KG verkauft.

 

2007 Die Turbinenwelle des Kraftwerkes Sieberstollen kehrt nach einem Reparaturversuch (leichte Unwucht) in den Gaipel zurück.

 

 

 

 

2008 Die Welle des Kraftwerkes Sieberstollen wird erneut ausgebaut, um eine neue Turbinenwelle anfertigen zu lassen. Die 20 Peltonschaufeln liegen kurzzeitig im Gaipel.

 

2010 Am 01.08.2010 wird in Brasilia die UNESCO-Welterbestätte "Bergwerk Rammelsberg und Altstadt von Goslar" durch die Oberharzer Wasserwirtschaft und die Grube Samson erweitert.